Auf der amerikanischen Webseite worshipleader.com fand ich diese Woche diesen Beitrag von Eric Heinrichs (worshiptones.org), der sich mit manchen meiner Gedanken und Beobachtungen deckt. Ich persönlich finde die positiven Seiten des Effekts (Entdeckung von Gaben, Förderung von Talenten, und der Ansporn, nach den Sternen zu greifen) ebenso stark wichtig wie die Kehrseiten.

"Ich bin nicht unbedingt ein Riesenfan von American Idol (die amerikanische Vorlage von DSDS), aber ich gebe zu, dass ich über die Jahre immer mal eingeschaltet habe, um einen kleinen Einblick in dieses kulturelle Phänomen zu bekommen. Aber dieses Jahr, wo die Show in ihre letzte Staffel geht, haben meine Frau und ich wieder regelmäßig eingeschaltet, um noch einmal ein bisschen von der Nostalgie zu erleben, die dieser Show jetzt nach 15 Jahren bereits anhängt.

Während wir so zusahen, fiel mir plötzlich auf, dass viele der Kandidaten noch sehr kleine Kinder waren, als die Show im Jahr 2002 startete. Damals konnten sie vielleicht noch nicht sprechen, und schon gar nicht singen. Heute dagegen sind sie groß geworden, und aus ihnen sind ambitionierte junge Stars geworden, die sich um die begehrte Krone bewerben, Amerikas beste Stimme zu sein. Vielleicht klingt diese Beobachtung erst einmal banal. Aber ich glaube, dass wir daraus etwas sehr bedeutsames über unsere Kultur, und besonders über die nächste Generation von Musikern, lernen können. Und viele von ihnen werden einmal in unseren Gemeinden Lobpreis leiten oder tun es schon.

Mehr als alles andere hat American Idol vermutlich dazu beigetragen, in unserer Kultur eine Verschiebung des Schwerpunkts von einem lange gültigen Paradigma des Ensemble-orientierten Singens hin zu einer Verehrung der einzelnen Stimme geführt.

Ich will damit nicht sagen, dass es bei uns nicht schon immer auch eine große Wertschätzung für Sologesang und Solokünstler gab, oder dass American Idol dies erst erfunden hätte. Man muss kein Musikhistoriker sein, um zu wissen, dass begabte Einzelkünstler immer schon verehrt wurden, lange bevor man damit anfing, Musik aufzuschreiben oder aufzunehmen.

Was aber durch den "American Idol Effek" anders geworden ist, dass man nicht mehr, wie früher, am Anfang seines musikalischen Weges in einem Chor oder einer Gruppe singt und serst aus dieser Erfahrung heraus die Solokarriere entwickelt. Stattdessen haben wir heute eine Generation von jungen Leuten, die von Anfang an einen großen Schwerpunkt auf Individualisismus legt,

Ich habe zwar an sich gar nichts auszusetzen ander Idee solcher Sendungen oder auch an dem Wettbewerb, der dadurch gefördert wird. Aber ich frage mich schon, welchen Einfluss sie vielleicht auf unsere Kultur und auch unsere Gemeinden haben. Denken Sie einmal an ihre eigenen Erfahrungen in der Gemeinde, in der Sie augfgewachsen sind: Haben Sie IHren Weg seinerzeit damit angefangen, schon in jungen Jahren als Lobpreisleiter mit dem Miktofon vor einem gut gefüllten Sall zu stehen und ein Solo zu singen? Oder haben Sie, so wie ich, zuerst einmal in einem Kinderchri gesungen, und dann vielleicht in der Lobpreisband mitgesungen oder eine Gitarre ium Jugendkreis gespielt?

Ich glaube, dass solche Erfahrungen eine sehr wichtige und gute Vorbereitung sind für die Lobpreisleitung auf der Bühne. Und dabei denke ich nicht nur daran, dass man auf diese Weise Zeit hat, seine musikalischen Fertigkeiten weiterzuentwickeln und auch das Selbstvertrauen zu entwickeln, eine Gruppe von Leuten anzuleiten. Ich glaube vor allem, dass solche Erfahrungen uns lehren, als Leiter eine Haltung der Demut und das Herz eines Dieners zu entwickeln. Damit will ich nicht sagen, dass ein toller Solosänger nciht gleichzeitig auch ein guter Lobpreisleiter sein kann. Im Gegenteil: Einige der Kandidaten in der aktuellen Staffel von Amnerican Idol waren sogar Lobpreisleiter in ihren Gemeinden und haben es im Wettbewerb recht weit gebracht.

Ich glaube aber dennoch, dass stimmliche und musikalisches Talent mit großem Abstand an zweiter Stelle kommen, hinter einer Haltung und einem Herzen, das offen ist für den Heiligen Geist, wenn es darum geht, welche Kriterien einen guten Lobpreisleiter ausmachen.

Wir die nächste Generation von Lobpreisleitern, die jetzt auf die Bühnen unserer Gemeinden tritt, eine solide Grundlage haben, die sich bilden konnte auf einem Weg durch den musikalischen Dienst in der Gemeinde, auf dem sie wachsen und reifen konnten und durch gutes Montoring begleitet? Das wird sich noch zeigen..

Ich möchte aber dieses Wort der Ermuitigung weitergeben an alle die von uns, die gerne eine junge Generation von LÖeitern heranwachsen sehen möchte, die immer mehr in der Gnade und im Glauben wächst und so in die Leitungsaufgaben ihrer Gemeinde hineintritt: Wenn schon eine einfache Fernsehshow von nur 60 Minuten es schafft, eine ganze Generation von jungen Menschen so nachhaltig zu prägen, dann stellen Sie sich einmal vor, wie viel prägender Ihr Einfluss sein könnte, wenn Sie ihre Zeit, ihre Liebe, ihre Aufmerksamkeit jemandem widmen, der gerne in einen Dienst in der Gemeinde hineinwachsen möchte. Dieser Einfluss könnte vielleicht den Entscheidenden Einfluss darauf haben, dass diese Person in dem Widerstreit zwischen dem Streben danach, "Superstar" zu werden, und der Bereitschaft, das eigene Leben aufzugeben und das Kreuz Jesu auf sich zunehmen, den Weg Jesu einschlägt.

(Eric Heinrichs ist Lobpreisleiter in Südkalifornien. Für weitere Informationen und Kontakaufnahme besuchen Sie www.worshiptones.org)

 

   
© G. Baltes / T. Schröder